Mon, Jul 16 2007
Mon, Jul 16 2007
Mon, Jul 16 2007
Sat, Dec 02 2006
Sat, Nov 18 2006
Mon, Apr 11 2005
Sun, Nov 27 2005
Mon, Apr 11 2005
Mon, Apr 11 2005
Wed, Dec 8 2004
Wed, Nov 17 2004
Sun, Oct 17 2004
Sun, Oct 17 2004
Sun, Oct 17 2004
Sun, Oct 17 2004
Sun, Oct 17 2004
Als die ersten Missionare vor über 100 Jahren nach Afrika kamen, sahen sie in den religiösen Gebräuchen und Ritualen der Afrikaner fast nur Zauber und Magie. Wenn man bedenkt, dass Religiosität in Afrika sich auf alle Lebensbereiche erstreckt, so sahen sie auch Zauber und Magie auf Schritt und Tritt. Heute wissen wir, dass afrikanische Religionen nicht nur aus Zauber und Magie bestehen.
Gibt es Berührungspunkte zwischen Religion und Magie oder sind Religion und Magie absolute Gegensütze?
Wir reden z.B. von der Magie der Worte, und meinen damit Worte, die eine unerklärliche Wirkung auf uns ausüben. Im Alltag nennen wir magisch, was wir zwar wahrnehmen, aber nicht plausibel erklären können.
Im Bereich der Religion meinen wir mit Magie meistens Zauberei.
Sie ist im AT Gott ein Greuel [Dtn 18,9f].
Paulus zählt sie zu den Werken des Fleisches [Gal 5,20].
Kaiser Konstantin verbot die Magie mit heidnischen Blutopfern.
Luther meinte, man solle Zauberer nicht am Leben lassen.
Die Kirche hat im Mittelalter viele sogenannte Hexen verbrannt, die auch der Magie beschuldigt wurden. Dagegen reagierte der Jesuit Friedrich von Spee, dem wir auch viele Kirchenlieder verdanken. Er wurde 1591 in Kaiserswerth bei Düsseldorf geboren. In seinem Buch "Cautio Criminalis", einer flammenden Anklage gegen das Unrecht der Hexenverbrennung, verurteilte er die Hexenverbrennung.
Ich erwähne das hier nur, um zu zeigen, dass Magie keineswegs nur ein afrikanisches Phänomen ist. Es existiert in allen Kulturen.
In einer magischen Handlung will der Mensch übernatürliche Wesen so beeinflussen, dass sie ihm Nutzen bringen. Das geschieht in Afrika vor allem durch das Opfern von Früchten und Tieren. Der Glaube und die Angst vor Geistwesen und den Ahnen spielt hier eine wichtige Rolle. In vielen afrikanischen Kulturen wird z.B. bevor man Bier oder Milch trinkt, der erste Schluck auf die Erde gegossen, um damit die verstorbenen Ahnen zu ehren, damit sie mögliches Unheil abwenden. Afrikanische Religiosität ist nämlich von einer tiefen Ungewissheit bestimmt. Man ist sich nie ganz sicher, welche Absichten die Geistwesen haben. Man muss sie also bei guter Laune halten. Wenn man von einem Unglück oder einer Krankheit betroffen ist, dann wird das oft als eine Strafe der Geistwesen verstanden, weil man nicht die ihnen gebürende Ehre erwiesen hat, oder weil man moralische Normen und Tabus verletzt hat.
Das Ganze beruht auf dem Grundsatz: Nichts geschieht ohne Grund. Magie und Zauber sind eine Art und Weise, die widersprüchliche Wirklichkeit zu erklären.
Beispiel: Dass ein fauler Bauer schlechte Ernteerträge hat, ist normal. Wenn aber zwei Bauern ihre Felder in gleicher Weise bestellen, und der eine hat eine Missernte hat, dann ist das nicht normal. Grund: Magie ist im Spiel. Dass ein alter Mensch stirbt, wird als normal betrachtet, aber wenn ein Kind in Afrika stirbt, werden auch heute noch oft Magie und Hexerei als Ursache vermutet, selbst wenn man weiss, dass der Tod durch Malaria verursacht wurde. Die Angst vor Hexen, die immer als asozial und menschenfeindlich gelten, ist auch heute noch gross. Hexen sind nicht mit dem Medizinmann zu verwechseln, der Heilkräuter verwendet.
In Afrika tritt Magie als soziales Phänomen vor allem da in Erscheinung, wo Menschen eng beieinander leben, wo sie die Gewohnheiten des anderen kennen, wo es Möglichkeit zum Vergleichen gibt, und damit zu Eifersucht und Neid. Es hat viel mit zwischenmenschlichen Beziehungen zu tun, wo einer dem anderen nicht gönnt, dass es ihm besser geht. Das ist auch ein Grund, warum manche wohlhabende Leute bewusst ihren Reichtum verbergen, um keinen Neid zu erzeugen.
Eng verbunden mit Magie ist der Zauber, z.B. Fruchtbarkeitszauber, Liebeszauber, Krankheitszauber. Mit seinen Praktiken deckt er reale Lebenssorgen ab, die in der Religion, auch im Christentum, nicht genügend berücksichtigt werden. Ich erinnere hier an den wichtigen Bereich von Krankheiten. Heilung hängt eben nicht nur von der richtigen Medizin ab, sondern auch vom Glauben an die Heilkraft Gottes. [Erzbischof Milingo von Sambia].
In die Religion integriert werden konnten Zauber zum Schutz von Personen und Sachen. So kennt der volkstümliche Katholizismus die Anrufung bestimmter Heiliger bei speziellen Sorgen: Der hl. Florian bei Blitz und Feuer, oder die Christophorus-Plakette in vielen Autos, die vor Unfällen schützen soll.
In Äthiopien gibt es das sogenannte Ketab, eine Mischung aus Zaubersprüchen und orthodoxen Gebeten. Hier glauben auch viele an die Zauberkraft des bösen Blickes als Ursache von Krankheit und Tod. = Aberglaube
Im Islam gibt es Amulette mit heiligen Texten aus dem Koran, die magischen Schutz verleihen.
Vorchristliche Zauberpraktiken, die dem Schutz des Menschen dienen, sind auch ins Christentum aufgenommen worden und werden als Weiheakte praktiziert, z.B. das Segnen eines neugebauten Hauses.
Andererseits wurden Zauberpraktiken, die dem Menschen Schaden zufgen sollen, vom Christentum streng verurteilt.
Von grosser Bedeutung ist das Zauberwort, z.b. im Märchen, das eine besondere Wirkung ausübt.
Wissen Sie Übrigens, wo der Ausdruck "Hokuspokus" herkommt? Es kommt von der lateinischen Formel für die Verwandlung von Brot und Wein in der Messe: Hoc est enim corpus meum, das wie eine magische Formel klang.
Abschliessend möchte ich davor warnen, dass wir Magie und Zauber in Afrika einfach als primitives Verhalten abtun. Für viele dieser Phänomene gibt es noch keine westliche Erklärungsmodelle. Afrikanische Religiosität sieht vor allem die spirituelle Dimension der Wirklichkeit viel deutlicher als das bei uns aufgeklärten Europäern der Fall ist.
P. Fritz Stenger